Gemüseanbau

Wie entsteht eigentlich eine Tomate? Was benötigt die Zucchini, um zu wachsen? Und was summt den ganzen Tag in Gewächshäusern?

Hinter dem Gemüseanbau in Glasgewächshäusern steckt ein komplexes, aber sehr effizientes System: Nützlinge, modernste Technik für Belichtung, Bewässerung und Düngung sowie neue Energiekonzepte sorgen für ein bestmögliches Wachstum der Pflanzen und einen zeitgemäßen Betrieb der Gewächshäuser.

 

Bestäubung

Die fleißige Hummel

Gemüseanbau Bestäubung - Hummel können bis zu 70 km/h schnell werdenHummel können bis zu 70 km/h schnell werden

Hummeln spielen bei der Bestäubung in der Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Ihr großer und haariger Körper transportiert eine große Menge an Pollen, was eine breite Bestäubungsfläche garantiert. Dies steigert den Ertrag und erhöht die Fruchtqualität, da mehr Samen in der Frucht gebildet werden.

Die fleißigen Bestäuber besuchen viele tausend Blüten am Tag und verteilen den Pollen von Pflanze zu Pflanze. Dieser fällt entweder durch den direkten Kontakt mit der Blüte wieder ab oder springt durch das statisch geladene Haarkleid der Hummel schon auf kurzer Distanz auf die Blüte über.

Doch warum werden Hummeln und keine Bienen eingesetzt? Hummeln wechseln häufiger ihre Nektarquelle als ihre kleinen Artgenossen, wodurch sie mehr Pflanzen bestäuben. Sie schaffen pro Minute doppelt so viele Blüten wie Bienen. Zudem sind sie nicht nur fleißiger, sie sind mit bis zu 70 Kilometer pro Stunde auch schneller als Bienen, die eine Fluggeschwindigkeit von bis zu 30 Kilometer erreichen. Hummeln sind auch an bewölkten Tagen aktiv und finden sich auf überdachtem Gelände besser zurecht. Unter den über 300 bekannten Hummelarten zählt die Erdhummel dank ihrer Charaktereigenschaften und Bestäubungsart zu der in Europa am häufigsten eingesetzten Art.

Im Glasgewächshaus werden Hummelkästen genutzt, von denen aus die Hummelkolonien ihren Arbeitstag beginnen. Jede Kolonie hat etwa 50 bis 100 Arbeiterinnen, die ein Bestäubungsareal von bis zu 3.000 m² abdecken können. Ob die Hummel fleißig war, erkennt der Züchter an bestimmten Biss- und Verfärbungsspuren oder Pollenrückständen an den Blüten. Besonders aktiv sind die kleinen Helferlein dabei morgens und nachmittags.

Gemüseanbau Bestäubung - Hummel beim Bestäuben einer Auberginenpflanze
Hummel beim Bestäuben einer Auberginenpflanze

Gemüseanbau Bestäubung - Hummelbox im GewächshausHummelbox im Gewächshaus

 

Böden im Glasgewächshaus

In modernen europäischen Glasgewächshäusern werden größtenteils Steinwolle oder Kokosfaser als alternative Böden eingesetzt, die durch eine Reihe positiver Eigenschaften überzeugen.

Steinwolle

Steinwolle ist ein Naturprodukt und wird aus Basaltstein gewonnen. Dabei bilden geschmolzenes und zerfasertes Gestein ein stabiles Vlies. Ein Kubikmeter Basalt ergibt ungefähr 50 Kubikmeter Steinwolle, die für den Anbau von einer Million Gurken oder 350.000 Kilogramm Tomaten reicht. Der alternative Boden ist wiederverwendbar. Der Bedarf an neuem Basalt ist dadurch gering. Wird das Substrat nicht mehr im Gewächshaus eingesetzt, dient es zur Herstellung von Baustoffen wie Ziegeln oder Zement.

Im trockenen Zustand ist Steinwolle äußerst leicht. Aufgrund des hohen Porengehalts besitzt das Substrat eine sehr gute Wasseraufnahmefähigkeit von 90 Prozent sowie eine gute Durchlüftung. Dadurch erhalten die Wurzeln genügend Sauerstoff und können sich optimal entwickeln. Steinwolle ist steril und besitzt keine Nährstoffe, wodurch die Nährstoffversorgung der Pflanzen leicht kontrollierbar ist.

Steinwolle als alternativer BodenSteinwolle als alternativer Boden

 

Kokosfaser

Ein guter Boden muss einerseits Wasser speichern können, andererseits trotzdem durchlässig sein. Das Substrat aus Kokosnussfasern besitzt eine hervorragende Wasserspeicherkapazität und eine lockere Beschaffenheit. So erhält die Wurzel genügend Sauerstoff und die einzelnen Pflänzchen können einfacher getrennt werden. Kokosfasern eignen sich so sehr gut als Boden für den Gemüseanbau und erfreuen sich in den letzten Jahren einer immer größeren Beliebtheit.

 

Bewässerung

Die Pflanzen in den Gewächshäusern brauchen für ein optimales Wachstum eine auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Bewässerung. Welches Wasser wird eingesetzt, um den Durst der Pflanzen zu stillen? Die Antwort ist simpel: Regenwasser. In großen Becken, die sich um die Gewächshäuser reihen, wird es aufgefangen und bis zur Weiterverarbeitung gesammelt. Bevor das Wasser zum Einsatz kommt, wird es gereinigt und mit wichtigen mineralischen Nährstoffen angereichert. Ein feines Rohrsystem leitet es danach direkt zu den Wurzeln der Pflanzen. Der meist aus Steinwolle oder Kokosfasern bestehende Boden nimmt die benötigte Feuchtigkeit auf. Überschüssiges Wasser wird wieder abgegeben, am Boden gesammelt, erneut gereinigt und den Pflanzen bei Bedarf wieder zugeführt. Neben der optimalen Nährstoff- und Wasserversorgung der Pflanzen kann durch den geschlossenen Wasserkreislauf im Gewächshaus so die Gefahr der Verunreinigung durch Keime und Bakterien vermieden werden.

 

Video zum Thema

Gemüseanbau: Teil 1 – Tradition

Allein in Deutschland isst jeder Deutsche 95 kg Gemüse im Jahr, ein Großteil davon stammt aus europäischen Glasgewächshäusern. Der Anbau von Gemüse im Glasgewächshaus blickt auf eine lange Tradition zurück. Film 1 unserer dreiteiligen Reihe rückt die lange Tradition des Anbaus von Gemüse in Glasgewächshäusern in den Mittelpunkt.