Biologischer Pflanzenschutz

In den 1960er-Jahren erkrankte der Holländer Jan Koppert an einer Allergie gegen Pestizide. Auf der Suche nach einer Alternative zu dem chemischen Mittel begann er, Schädlinge mit kleinen Käfern und Insekten zu bekämpfen. Besonders in den letzten Jahren setzte sich die biologische Schädlingsbekämpfung immer stärker durch, sodass heute die meisten Anbauer in europäischen Glasgewächshäusern auf diesen Pflanzenschutz zurückgreifen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wo Nützlinge arbeiten, haben chemische Mittel keinen Platz. Dank des gesunden Gleichgewichts von Schädlingen und Nützlingen werden die Pflanzen geschont und die Gemüseernte gesichert.

 

Nützlinge für ein gesundes Pflanzenwachstum

Jeder Schädling hat natürliche Feinde, die seine Vermehrung verhindern. Im Gemüseanbau unter Glas machen sich Gärtner dies schon seit Jahren zunutze, um Pflanzenschädlinge wie Weiße Fliegen, Spinnmilben oder Blattläuse natürlich zu bekämpfen. Mittlerweile können Gemüseanbauer gegen alle wichtigen Pflanzenschädlinge entsprechende nützliche Gegenspieler bekommen: Marienkäfer, Schlupfwespen, Schwebfliegen, Raubmilben und andere tierische Helfer kommen zum Einsatz. Bei nur wenig befallenen Pflanzen reicht es, Papptäfelchen oder kleine Beutel mit Dauerstadien der Nützlinge an die Pflanzen zu hängen.

 

Die Schlupfwespe

Klein, aber oho: Die Schlupfwespe (Trichogramma evanescens) ist nur 0,4 Millimeter lang. Sie bekämpft die Weiße Fliege, indem sie ihre Eier in die Eier der Schädlinge legt. So werden die Fliegeneier abgetötet und nach acht bis zehn Tagen schlüpft eine neue Schlupfwespe. Diese lebt allerdings nur circa sechs Tage. Ganz weit oben auf der Speisekarte stehen neben Weißen Fliegen auch Blattläuse.

Die Schlupfwespe, natürlicher Feind der Weißen FliegeDie Schlupfwespe, natürlicher Feind der Weißen Fliege

 

Der Marienkäfer

Der Marienkäfer gilt nicht nur als Glücksbringer und ist bei kleinen Kindern beliebt, er ist auch der natürliche Feind der Blattlaus. Wenn feucht-warmes Klima herrscht, vermehren sich die ungeliebten Schädlinge explosionsartig, ganz zur Freude des Marienkäfers. Bereits die Larven des Glücksbringers ernähren sich von dem Schädling und leben teilweise inmitten von Blattlauskolonien. Das erleichtert ihnen die Nahrungsaufnahme, denn sie finden ihre Beute nur durch Umherlaufen und direkten Kontakt. Bei einer Lebenserwartung von ungefähr einem Jahr vertilgt ein Marienkäfer circa 40.000 Blattläuse.

Biologischer Pflanzenschutz - Der Nützling MarienkäferDer Nützling Marienkäfer

 

Die Florfliegenlarve

Ein weiterer Nützling gegen Blattläuse sind Florfliegenlarven. Sie dienen außerdem zur Bekämpfung von Schmierläusen, Spinnmilben und Thripsen. Die Florfliegenlarve ist fünf bis zehn Millimeter groß und behaart. Da sie ab 15 °C aktiv ist und es windgeschützt mag, fühlt sie sich in Gewächshäusern sehr wohl. Eine Florfliegenlarve frisst in ihrer zwei- bis dreiwöchigen Entwicklungszeit bis zu 500 Blattläuse.

Biologischer Pflanzenschutz - Die FlorfliegenlarveBlattläuse, Spinnmilben & Co sind mit Florfliegenlarven schnell bekämpft

 

Video zum Thema

Biologischer Pflanzenschutz: Teil 2 – Vielfalt

Ob Snackpaprika, Minigurke oder Cocktailtomate: Der Gemüseanbau in europäischen Glasgewächshäusern besticht durch eine sehr große Sorten-Vielfalt. Für das sichere Wachstum der Gemüsepflanzen sorgt eine Vielzahl von Insekten. Film 2 unserer dreiteiligen Reihe rückt nicht nur den Einsatz von Nützlingen in Glasgewächshäusern in den Vordergrund, sondern auch die Vielfalt der dort angebauten Gemüsesorten.