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Gefüllte Tomaten bringen Tochter zum Sprechen!


3. September 2015

„Boah, das schmeckt voll lecker!“, platzte es aus meiner mittlerweile 13 jährigen Tochter Lara heraus. Dabei hatte ich gar nichts gemacht. Ich war nur ein bisschen schusselig.

Auf der Suche nach einem leckeren Rezept durchforstete ich Youtube. Ich hatte Lust auf gefüllte Tomaten. Egal in welcher Form. Na ja, so ganz egal dann doch nicht: Da ich nicht wusste, ob ich am nächsten Tag noch jemandem näher als Atemabstand kommen würde, sollte es besser nicht mit Knoblauch sein. Und zu kompliziert durfte das Rezept natürlich auch nicht sein. Ich sah mir vier oder fünf verschiedene Tutorialvideos an. Mit Hackfleisch, mit Käse, im Ofen oder ganz frisch. Vegan oder fleischig. Alles dabei. Neben dem Laptop lag ein Zettel, auf dem ich brav die Zutaten kritzelte. Sonst würde ich alles vergessen, ich kannte mich. Hackfleisch konnte ich ignorieren, ich hatte stattdessen noch gebratene Putenstückchen übrig. Die würde ich bei Bedarf untermischen!

Mit Einkaufsliste gewappnet betrat ich den Supermarkt. Tomaten hatte ich ja aus eigenem Anbau, aber ein paar zusätzliche konnten nicht schaden. Meine waren noch grün. Und dann… kaufte ich einfach alle Zutaten aus vier Rezepten. Weil ich Schussel einfach alles wild durcheinander notiert hatte und nicht mehr wusste, was zu welchem Rezept gehörte.

Gefüllte Tomaten_1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Viel hilft viel

Zu Hause stand ich hilflos und sehr hungrig vor einem ansehnlichen Arsenal an Käsesorten, Schmand, Kräutern, Walnüssen und Tomaten. Ich überlegte kurz, ob ich Youtube noch einmal bemühen sollte. Ach Quatsch, wenn ich alles irgendwie zusammenrührte, dann gäbe es doch vier gute Rezepte in einem! Viel hilft viel!

Aus dem Wohnzimmer röhrte es aus einer 13jährigen Kehle: „Essn???“ Das ist so. Jugendliche können ab einem bestimmten Alter nicht mehr als Einwortsätze sprechen. Und dabei ist ein ganzes Wort schon eine unglaubliche Höchstleistung, wo doch eine einzige Silbe eher dem normalen Kommunikationsstil entspricht. „Wie war’s in der Schule?“ „Gut.“ „Habt ihr die Arbeit zurückbekommen?“ „Hm.“ „Und?“ „Gut.“

„Ja, es gibt gleich Essen“, flötete ich die Antwort.

Ich mischte einfach geschwind das zusammen, was vor mir stand. Schmand, möglichste klein geschnittenen Porree (Frühlingszwiebeln hatte der Supermarkt nicht), glatte Petersilie, Schafskäse, Salz und Pfeffer. Die Tomaten höhlte ich aus und weil mir die großen Tomaten so unhandlich vorkamen, nahm ich die kleinen Snacktomaten. Die Pute vergaß ich, den Camembert ignorierte ich und die Existenz des frischen Gratinkäses schob ich in eine Schublade ganz hinten in meinem Gehirn.

Gefüllte Tomaten_2Gefüllte Tomaten_3

Ich drapierte es liebevoll auf einem Teller und bot die gesunde Speise meinen Kindern an. Den kurzen, spannenden Moment, während das selbst kreierte Essen vom Teller in den Mund wanderte und bis es die wählerischen Geschmacksknospen meiner anspruchsvollen Teenager berührte, verweilte ich in regungsloser Starre und beobachtete jede ihrer Bewegungen.

Vorsichtig hauchte ich: „Und?“

Lara hob die Augenbrauen. Dann sprach sie: „Boah, das schmeckt voll lecker!“. Und auch mein Sohn Dorian nickte anerkennend: „Ja, wirklich sehr gut.“

Danke!

Gefüllte Tomaten à la Yvonne

Füllung zum Glück:

Einen Becher Schmand

Kleingeschnittener Porree oder Frühlingszwiebeln je nach Gusto (ich nahm ca. 7 cm der Länge nach halbiert und dann noch mal zu Vierteln und dann klein schneiden)

Zerbröckelter Schafskäse je nach Gusto (ich nahm zwei bis drei gut gehäufte Esslöffel voll)

Salz/Pfeffer

Frische, glatte Petersilie

Tomaten halbieren oder einen Deckel abschneiden. Das Fruchtfleisch mit einem Löffel heraus holen. Den Hohlraum mit der Füllung füllen. Ein Blättchen Petersilie als Dekoration und dann geniiiiießen! 

Bei den Tomaten:

Besser der Länge nach halbieren, dann kann man gegebenenfalls den Strunk herausschneiden.Lieber kleine Tomaten, das isst sich leichter und ist im Verhältnis zum Genuss kein so großer Mehraufwand. Man kann bei den Winzlingen übrigens auch ganz auf das Aushöhlen verzichten, das merkt keiner.

Das Wichtigste hierbei ist sicherlich die Qualität der Tomaten! Süß und frisch müssen sie sein und gerne in geschützter Umgebung gereift. Am liebsten die, die ich bei meinem Besuch im Glasgewächshaus in Holland gegessen habe. So süß! Ich muss mich mal erkundigen, wo es die gibt!

Lasst es euch schmecken!

Eure Yvonne